Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des St. Antoniusheimes wurden von dem in Hamburg lebenden Künstler Ulrich Rölfing insgesamt 25 ausdrucksstarke Porträts gemalt, in denen die individuellen Lebensläufe der Bewohner sichtbar werden – für den Künstler eine intensive Zeit mit ganz besonderen Begegnungen. Dem Journalisten und ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten, Zeitungsgruppe Münsterland & Partner, Reimar Bage, erzählten sie ihre Sicht auf ihr Leben. Im Zusammenspiel von Bewohnern, Künstler und Journalisten entwickelten sich die Porträts, die von Hoffnung und Enttäuschung, von Neuanfängen und vom Scheitern, von Ruhelosigkeit und vom Finden der Ruhe zeugen.
„Mein zweites Zuhause“
Er verkörpert den Typ eines bodenständigen Münsterländers und ist kein Freund großer Worte: In Graes geboren und mit acht Geschwistern groß geworden, hat Bernhard B. nach dem Besuch der damaligen Volksschule eine Lehre als Maurer begonnen. Nach erfolgreicher Gesellenprüfung war er dann noch etwa fünf Jahre als Maurer tätig. 1973 wechselte Bernhard B. zu einer Steinmetzfirma in Ahaus. Dort ging es eher um den Bau von Treppen, das Legen von Fußböden und das Setzen von Grabdenkmälern.
1975 heiratete er, der Ehe entstammen drei Kinder. Doch schon zehn Jahre später folgte die Scheidung. Und mit ihr kamen insbesondere finanzielle Probleme: Unterhalt und Miete wollten bezahlt werden – das Einkommen wurde knapp.
Ein Jahr später erkrankte Bernhard B. schwer: Die Ärzte fanden einen Tumor im Dickdarm. Nach der geglückten Operation war der heutige Bewohner des St. Antoniusheims etwa ein Jahr krank geschrieben, danach konnte er wieder für ein weiteres Jahr arbeiten, bevor er arbeitslos wurde. Zwar war Bernhard B. anschließend noch fünf Jahre bei einer Schreinerei tätig, doch dann tat sich ein großes Problem auf: er hatte keine Wohnung mehr.
Zu diesem Zeitpunkt kam er durch Vermittlung ins Antoniusheim nach Vreden. Dort war er zunächst fast acht Jahre in der Gärtnerei tätig – „eine Arbeit, die mir Spaß gemacht hat“.
Dann aber waren seine Fähigkeiten als Maurer und Steinmetz wieder gefragt: Er baute auf dem Koloniegelände den Schweinestall mit auf, legte die Pflasterung auf dem Gelände und wurde schließlich, wie er schmunzelnd meint, zum „Mädchen für alles“. Logischerweise landete er schließlich bei der Haustechnik als Mitarbeiter. Im August dieses Jahres blickt Bernhard B. offensichtlich zufrieden auf 15 Jahre Leben im St. Antoniusheim in Vreden zurück, das für ihn „praktisch zum zweiten Zuhause geworden ist.“
„Mit 50 alles hingeschmissen“
Der Bruch im Leben von Uwe N. kam nach 28 Berufsjahren. Bis dahin hatte er einen durchaus interessanten Werdegang aufzuweisen. Nach dem Volksschulabschluss begann der gebürtige Viersener zunächst eine Kfz-Mechaniker-Lehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Zwei Jahre blieb er noch in diesem Metier tätig. Dann wechselte er und wurde Krankenpflegeschüler in einer Landesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Damals herrschte akuter Personalmangel im Pflegebereich und die finanzielle Versuchung war für mich groß“, erinnert er sich noch genau. Nach bestandenem hausinternen Examen und dem Staatsexamen begann er noch eine Ausbildung zum Fachpfleger für Psychiatrie. Ferner machte er eine Zusatzausbildung im Lehrwesen für den Umgang mit geistig behinderten Menschen. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag anschließend in der Fortbildung von Berufskollegen.
Zwischenzeitlich hatte Uwe N. geheiratet und war Vater von zwei Söhnen geworden. Doch als er etwa 50 Jahre alt war, hat er wegen familiärer Schwierigkeiten und der folgenden Scheidung „alles hingeschmissen. Ich war völlig ausgebrannt.“
Mit diesem Bruch einher ging nicht nur ein Wohnortwechsel nach Gronau, sondern widrige Verhältnisse und Wohnungsverlust führten zu Alkoholproblemen. Zweimal hat er sich einer Entziehung unterzogen, heute hat er dieses Problem „im Griff“, wie er sagt. Aber: „Es gehört zu mir und ich will das nicht radikal ändern.“ Nach dem Umzug nach Gronau gab es noch einmal einen Anlauf, geregelte Arbeit aufzunehmen, aber letztlich blieb es nur bei befristeten Anstellungen.
Durch die Betreuung in der Suchtberatung kam Uwe N. zum Antoniusheim. Sein Wunsch, in der Küche arbeiten zu wollen, wurde erfüllt. Heute schätzt er die regelmäßige und beständige Arbeit ebenso wie die Tatsache, „dass ich jetzt den richtigen Rahmen, geregelte Kost und eine feste Bleibe gefunden habe.“ Deshalb möchte er zumindest bis zum Erreichen des Rentenalters hier bleiben. Dann wird er sich die Frage stellen: “Wie sieht Dein weiteres Leben aus?“
„Auf aufstrebendem Ast“
Man tut dem jungen Mann wohl kein Unrecht, wenn man sein bisheriges Leben so skizziert: Er war bislang fast immer auf der Flucht. Der Sohn eines Journalisten und Autors aus dem Schwarzwald hatte nach dem Realschulabschluss eine Schlosserlehre begonnen und bald wieder abgebrochen, es folgte die Ausbildung zum Energieelektroniker. Da es in seiner Heimat keine Arbeitsstelle gab, wechselte er nach Ravensburg und blieb dort sieben Jahre in seinem Beruf. Dann aber gab es „tierischen Ärger mit der Freundin“, der zur Flucht vor der Frau und dem Umfeld führte. Ein Jahr lang zog Steffen R. von Bio-Bauernhof zu Bio-Bauernhof quer durch Deutschland, bis er in Göttingen landete. Es folgten drei Jahre Arbeit in Bayern als Elektriker. Dann aber ging’s wieder – wegen einer gescheiterten Beziehung – zurück nach Göttingen. „Dort habe ich Scheiße gebaut, das war mein tiefster Fall“ – auch wenn er nach vier Monaten Untersuchungshaft freigesprochen wurde.
Die Hoffnung, durch den Umzug zu seiner Schwester in Berlin wieder Boden unter die Füße zu bekommen, trog. Zwar arbeitete er zwei Jahre, doch sein Alkoholproblem, das er schon seit seinem 15. Lebensjahr hat, war stärker. Er stellte das Arbeiten ein, bezahlte seine Miete nicht mehr und rettete sich schließlich mit einem erneuten Umzug zu seiner Großmutter in Recklinghausen.
Hier wurde er in eine Langzeittherapie eingewiesen, erlitt aber zwei Rückfälle und landete schließlich in der Arbeiterkolonie in Maria Veen. Ein dreiviertel Jahr später wechselte er schließlich ins Antoniusheim.
Heutige Erkenntnis des 38-Jährigen: „Je öfter ich abstürze, umso schwerer wird es, aus dem Teufelskreis herauszukommen.“ Inzwischen ist er in einer Motivationsgruppe aktiv und fühlt sich sogar schon „auf dem aufstrebenden Ast.“ Er möchte mit Hilfe des Seelsorgers im Antoniusheim die Gruppenarbeit forcieren und für sich selbst die Vergangenheit aufarbeiten. Ihn umtreibt die Frage „Will ich nicht oder kann ich nicht aufhören mit dem Alkohol?“ Dennoch: Steffen R. gibt sich noch nicht auf. Er möchte nach Vreden ziehen, dort wohnen und wieder dauerhaft arbeiten.
Aktuelle Termine
Bisherige Ausstellungen
27.09. - 19.10.2011 St. Marien-Krankenhaus Siegen |
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| 12.02. - 12.03.2011 Clemens-Josef-Haus in Blankenheim |
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11.07. – 29.08.2010 |
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22.06. – 07.07. 2010 |
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23.01.-10.02.2010 |
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23.11.-01.12.2009 |
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09.11.-18.11.09 |
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27.10.09 - 05.11.09 in Hofheim (Bistum Limburg ) |
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27.10.09 kleine Ausstellung von 6 Bildern in Wiesbaden-Nauroth im Rahmen |
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18.09. - 09.10.09 |
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09.09.09 Parlamentarischer Abend |
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28. August 2009, 11.00 – 14.00 Uhr |
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Vom 30.03.2009 bis 30.04.2009 |
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Vom 02.02.2009 bis 13.03.2009 |
Clemens-Josef-Haus in Blankenheim
Vellerhof 1
53945 Blankenheim
Weitere Portraits finden Sie auf |
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